Jubiläum:
Seit 40 Jahren gibt es die Jugendfeuerwehr in Schlierbach / Vor fünf Jahren wurden die Löschdrachen gegründet
Schlierbach.
Mit einem fröhlichen Festgottesdienst
startete die Freiwillige Feuerwehr Schlierbach in eine Feierstunde und
in einen gelungenen Festsonntag. Anlässlich des 40-jährigen Bestehens
der Jugendfeuerwehr und des fünfjährigen Bestehens der Kindergruppe mit
Namen Löschdrachen wurde im Rahmen des legendären Spießbraten-Festes
ordentlich gefeiert.
Den Festtag eröffneten Pfarrer
Martin Polivka und die Brass-Band "Gut druff" mit einem kleinen
Gottesdienst, in dem viele fröhliche und schwungvolle Lieder gesungen
wurden. Auch die geheime Hymne "Mer sin al vum Ourewoald" gehörte auch
dazu.
"Ich weiß die Feuerwehren
löschen nicht nur jedes Feuer, sondern sprichwörtlich auch den Durst",
so Martin Polivka mit Blick gen Himmel. Pünktlich zum Fest der
Schlierbacher Wehr öffnete der Himmel seine Schleusen und brachte viel
Wasser auf die trockene Erde. "Eine Wohltat für alle Pflanzen und auch
die Menschen", so seine Feststellung: "Das entlastet auch die Feuerwehr,
denn die Waldbrandgefahr sinkt dadurch."
"Unser Pfarrer ist ein
ausgebildeter Feuerwehrmann", gab später in der Eröffnung des
offiziellen Teils Wehrführer Oliver Wolf bekannt und drückte seinen
Wunsch aus, ihn für die Wehr gewinnen zu können.
Frauen bereiteten den Weg
Gewonnen hatte die
Schlierbacher Wehr schon mehrfach. Zunächst, als sie vor 40 Jahren die
Jugendfeuerwehr gründete. Sie ist ein Garant für eine stete gute
Mitgliederzahl in der Einsatzabteilung. Heute haben sogar viele
Vorstandskollegen der Schlierbacher Wehr ihre ersten Erfahrungen in der
Jugendabteilung sammeln können.
Ein zweites Mal hat die
Schlierbacher Feuerwehr gewonnen, als sich die Mitglieder nach
ausgiebigen Diskussionen für die Aufnahme von Frauen in der Wehr
entschlossen. "Das war 2008", erinnerte Wehrführer Wolf.
Mit den Frauen in der Wehr und
einigen Satzungsänderungen, sowie Klärungen mit der Versicherung war
dann der Weg frei für die Gründung einer Kinderfeuerwehr vor inzwischen
fast sechs Jahren.
Auch in Schlierbach wurde
damals erkannt, dass auch viele Kinder im Alter von unter zehn Jahren -
ab diesem Alter dürfen sie Mitglied in der Jugendfeuerwehr werden -
Interesse an den Brandschutzaktivitäten zeigen. Doch jüngere Kinder
durften bis dahin nicht der Feuerwehr beitreten. Die Mädchen und Jungen
suchten sich dann andere Hobbys. Damit waren viele Kinder für die
Zukunft der Feuerwehr verloren. Das sollte sich also ändern.
Die Frauen innerhalb des
Feuerwehrvereins besuchten Pädagogik-Kurse, den Kurs "Leitung einer
Jugendwehr" und gingen mit Engagement an die Sache heran. Mit der
Gründung der Gruppe der Löschdrachen war dann der Weg für die Kinder im
Alter unterhalb von zehn Jahren frei für die Feuerwehr.
Wie Betreuerin Gabi Schneider
weiter ausführte, wurde der Name der Kinderwehr auf das Nibelungenland
bezogen. Gleich zu der ersten Veranstaltung kamen zehn Kinder, bis zum
Jahresende zählte die Gruppe 16 Kinder. Heute gehören im Schnitt 20 bis
25 Kinder den Löschdrachen an.
In der Gruppe sind
Schlierbacher Kinder, aber auch welche aus den benachbarten Ortschaften.
Die ersten 15 Kinder konnten mit einer Vorausbildung auch schon in die
Jugendabteilung wechseln. Am Wochenende wurden wieder fünf Kinder nach
Erreichen des Mindestalters in die Jugendwehr aufgenommen. Stolz
wechselten sie ihre roten Mützen gegen die soeben überreichten blauen
Mützen der Jugendwehr.
"Bei der Kinderwehr und auch
später bei der Jugendwehr lernen die jungen Menschen Freundschaft,
Kameradschaft und Teamfähigkeit", führte Gabi Schneider weiter aus. Mit
Spiel und Spaß gehe es an eine kindgerechte feuerwehrtechnische
Ausbildung. "Wir üben die Brandschutzerziehung, beispielsweise das
Absetzen des Notrufes", erklärte Gabi Schneider. Immer mit dabei ist die
Handpuppe Feuerwehrmann Willi.
Einen kurzen Rückblick auf die
Tätigkeit der Jugendfeuerwehr gab Jugendwart Boris Ihrig. Er erzählte
von gemeinsamen Veranstaltungen in Schlierbach, von durchgeführten
Ausflügen, der Teilnahme am Zeltlager und Wandertagen. Boris Ihrig
berichtete auch von Höhen und Tiefen der Jugendwehr. Mal waren es sehr
wenige Mitglieder und mal mehr. Die Löschdrachen helfen dabei, eine hohe
Mitgliederzahl in den letzten Jahren zu halten.
Spieße drehten sich auf dem Spezialgrill
Nach der Feierstunde warteten alle Gäste
gespannt auf den Spießbraten. Vor fünf Jahren wurde das letzte Mal der
besondere Grill in Betrieb genommen und das örtliche Spezialgericht
darauf zubereitet.
Aus Fleisch und Kartoffeln und einer speziellen
Gewürzmischung von Inge Grosch werden 14 lange Spieße angefertigt. "Sie
ergeben jeweils 14 gute Portionen", erklärte der Vorsitzende der
Feuerwehr Arno Steinmann.
Sein Vater Georg Steinmann und Adam Schneider
hatten diesen Grill in den 1970er Jahren gebaut. Die Spieße werden durch
einen Motor gedreht. "Die Rüsselsheimer Firma Opel hatte damals die
richtige Drehgeschwindigkeit der Spieße errechnet", erzählt Arno
Steinmann. Die leckere Mahlzeit soll ja weder durchgegart sein, noch
etwa innen roh und außen schwarz auf die Teller kommen.
Also drehten während der Feststunde 14
Spieße mit jeweils 14 Portionen langsam ihre Runden über der Glut und
waren pünktlich zur Mittagszeit fertig gegart. "Das ist die maximale
Kapazität, die wir anfertigen können", beteuerte Arno Steinmann. Er
weiß, dass es auch vorkommen kann, dass nicht alle Gäste versorgt werden
können. "Wenn die Portionen alle sind, sind sie alle". jhs
Glückwünsche und Ehrungen
Vom Kreisfeuerwehrverband überbrachte
Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller Grüße und Glückwünsche. Er dankte
dem Betreuerstab bei den Löschdrachen und der Jugendwehr für ihren
Einsatz.
Die Urkunde des Kreisfeuerwehrverbandes zum
40-jährigen Bestehen der Jugendwehr überreichte der Bezirksjugendwart
Pierre-Andre Reising.
Zu den Gratulanten gehörten bei dieser
Feierstunde Bürgermeister Michael Helbig, Stadtverordnetenvorsteher Rudi
Schmidt, Ortsvorsteher Robert Gehrisch und der Vorsitzende der IMS
Gilbert Rest.
Bei diesem Fest konnte für langjährige
Mitgliedschaft in der Einsatzabteilung Werner Schneider und der
langjährige Wehrführer Hilmar Rühl für ihre 40-jährige Dienstzeit geehrt
werden. "Werner Schneider unterstützt mit besten Kräften und auch mit
Sach- und Dienstleistungen die Feuerwehr", erklärte Wehrführer Oliver
Wolf. Hilmar Rühl war viele Jahre sein Vorgänger als Wehrführer in der
Schlierbacher Wehr.
Beide Kameraden erhielten die Anerkennungsprämie des Landes Hessen von Bürgermeister Michael Helbig. jhs
(
Bergsträßer Anzeiger,
Mittwoch, 19.08.2015)