Probeeinsatz:
Lindenfelser Brandschützer trainierten ihre Zusammenarbeit bei einer Übung in Winkel
"Beim Neudäler brennt's": Mit der Feierabendstimmung war es am
Freitagabend im Lindenfelser Stadtteil Winkel schnell vorbei, denn
pünktlich um 18 Uhr wurden die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr mit
Sirenenalarm zum Einsatz gerufen. Allerdings nur zu Übungszwecken,
anders als im Jahr 1971, als ein Feuer in dem landwirtschaftlichen
Anwesen der Familie Marquard großen Schaden anrichtete.
In
den frühen 70er Jahren zündelte ein Feuerteufel in den Dörfern des
vorderen Odenwaldes, und auch der Hof an der Winkeler Buchwaldstraße
blieb nicht verschont. Drei Monate lang trafen sich damals allabendlich
Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, um mit Nachtwachen die Gehöfte im
Ort vor weiteren Schäden zu bewahren.
Defekte Elektroanlagen
So
war es auch nur verständlich, dass Senior-Chef Marquard am Freitagabend
kein gutes Gefühl bei der Großübung aller Lindenfelser Stadtfeuerwehren
hatte, die sich just sein Anwesen als Objekt zur Übung ausgeguckt
hatten. Nicht nur 1971 brannte es nämlich in seinem Anwesen, auch einige
Jahre zuvor erlitt die Familie durch ein Feuer Verluste. Das
angenommene Szenario am Freitagabend wurde von Stadtbrandinspektor
Reinhard Fink vorgegeben: Ein Defekt in den Elektroanlagen hatte in den
Pferdestallungen einen Brand verursacht. Mehrere Menschen wurden in den
Gebäuden vermisst.
Bereits nach wenigen Minuten war die Feuerwehr aus Winkel zu Stelle. Das
Problem in der Buchwaldstraße sind lange Wegstrecken für das
Löschwasser. Zwar gibt es in der Nähe des Bauernhofes einen Hydrant. Die
Wassermenge aus dem örtlichen Leitungsnetz reicht aber bei weitem nicht
aus, um eine effektive Brandbekämpfung vorzunehmen.
Schnell wurde es eng
Den
Feuerwehrleuten aus Schlierbach, Eulsbach und Seidenbuch fiel
dementsprechend die Aufgabe zu, eine rund 800 Meter lange
Schlauchleitung über die Buchwaldstraße bis zur Einsatzstelle zu
verlegen. Hierzu wurde der Bach im Dorf angestaut. Die
Freiwillige Feuerwehr Lindenfels hatte die Drehleiter mitgebracht. Es
wurde nicht nur von oben gelöscht, sondern die Feuerwehr sorgte auch für
die Beleuchtung der Unglücksstelle. Wehrführer Achim Falter von der Feuerwehr Winkel hatte zunächst die
Einsatzleitung übernommen und wurde dann von Otto Bitsch aus Lindenfels
abgelöst.
Schon wenige Minuten nach der Alarmierung wurde es eng in der
Buchwaldstraße: Die Feuerwehren aus Kolmbach, Glattbach und Winterkasten
eilten zur Hilfe; jede Gruppe übernahm eine wichtige Aufgabe.
Reichelsheim unterstützte
Im
Ernstfall gilt der Alarmplan für das Stadtgebiet. Bei einem Einsatz in
Winkel beispielsweise wird automatisch auch die Feuerwehr
Lindenfels-Mitte alarmiert, zudem Schlierbach oder Eulsbach. Weitere
Freiwillige Feuerwehren können jederzeit hinzugerufen werden.
Beim
Rundgang um das Anwesen wurde schnell dessen Größe deutlich. Mit
Brandbekämpfung von nur einer Seite aus ist es da nicht getan, es wurden
zusätzliche Einsatztruppen auf die Rückseite der Stallungen dirigiert.
Die Atemschutzgeräteträge hatten inzwischen zwei Personen gerettet und
dem Sanitätspersonal übergeben.
Die
Freiwillige Feuerwehr Reichelsheim unterstützte die Inspektionsübung mit
einem Gerätewagen. Für den Ernstfall verfügt Reichelsheim auch über ein
Zelt, in dem sich die Einsatzkräfte während des Einsatzes kurz ausruhen
können. Stadtverordnetenvorsteher Rudi Schmidt und weitere Mandatsträger waren
als Beobachter dabei.
(
Bergsträßer Anzeiger,
Dienstag, 09.10.2012)