Freiwillige Feuerwehr: Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller spricht sich bei Jahreshauptversammlung gegen Planungen zur Zusammenlegung aus
Bei der Jahresversammlung aller Stadtteilwehren von Lindenfels sprach sich Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller gegen die Überlegungen aus, Ortswehren zusammenzulegen. Diese Meinung wird von Stadtbrandinspektor Reinhard Fink unterstützt.
Wie wichtig jede örtliche Wehr und die Zusammenarbeit von allen sei, habe sich bei der in diesem Jahr durchgeführten Großübung in einem Pflegeheim am Kamsbachweg gezeigt. "Hier wurde die Zusammenarbeit aller Wehren in vorbildlicher Weise demonstriert", wertete Fink. Die Übung sei nicht einfach gewesen, weil die Wasserförderung über eine lange Wegstrecke vom Seniorenheim Parkhöhe verlegt werden musste. "Fakt ist", so Fink: "Gemeinsam sind wir stark". Er plädierte dafür, dass der von der Wehrführersitzung gestaltete Bedarfs- und Entwicklungsplan zügig umgesetzt wird.
Wie wichtig die Arbeit der Kameraden vor Ort, deren Ausbildung und deren Ausrüstung ist, habe sich bei einem Holzschuppenbrand in Winkel gezeigt. Die örtliche Feuerwehr verfügt über ein wasserführendes Fahrzeug. Durch das schnelle Handeln konnte ein Übergreifen des Feuers auf das Wohngebäude verhindert werden.
Reinhard Fink konnte der Versammlung Jörg Marquard zum Feuerwehrmann-Anwärter ernennen. Tim Pfeifer wurde zum Feuerwehrmann befördert. Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller übernahm die Beförderung des stellvertretenden Stadtbrandinspektors Jürgen Bitsch zum Brandmeister. Stadtrat Gerhard Scheerer konnte Walter Schepula die Ehrengabe des Landes Hessen übereichen, Walter Schepula ist seit vierzig Jahren aktiver Feuerwehrmann. Sonja Schepula wurde zur Stadtjugendwartin gewählt werden, aus persönlichen Gründen kann Michael Hübner dieses Amt derzeit nicht ausführen.
Die Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehren durch Stadt, Kreis und Land wurde als wichtig bewertet. Dazu gehört auch die Einführung eines Feuerwehr-Führerscheins. Die großen Fahrzeuge der Brandschützer dürfen nämlich nicht mit dem regulären Autoführerschein gefahren werden. Doch nicht alle Kameraden besitzen einen Lkw-Führerschein. Das bringe Probleme mit sich. Nach den neuen Vorgaben können jetzt Personen, die über einen B-Führerschein verfügen, nach einer speziellen Prüfung Feuerwehrfahrzeuge bis 9,9 Tonnen bei Übungen und Einsätzen fahren. Das bedeutet für viele Freiwillige Wehren eine enorme Arbeitserleichterung.
Zu 49 Einsätzen ausgerückt
Immerhin mussten die Wehren insgesamt zu 49 Einsätzen ausrücken, mit Brandsicherheitsdiensten und Brandschutzerziehung waren es 84 Einsätze.
In seinem Jahresrückblick hatte Reinhard Fink die Tätigkeiten der Ortsteilwehren zusammengefasst. Der überwiegende Anteil betraf Hilfeleistungen. Genannt wurden ein Hochwassereinsatz, drei Sturmeinsätze, und sechsmal rückten die Wehren aus, weil Betriebsstoffe ausgelaufen waren. 14 Brandeinsätze wurden gezählt, vier Brände wurden in die Kategorie "mittel" eingestuft.
Die Wehren aus dem Stadtgebiet waren gerechnete 945 Stunden im Einsatz, weitere 220 Stunden werden für Brandsicherheitsdienste bilanziert.
Geleistet wird die Arbeit von gut 150 Einsatzkräften, darunter sind 14 Frauen. In Lindenfelsmitte gibt es 32 Einsatzkräfte, in Schlierbach 31, in Winterkasten 24, in Kulmbach sind es 21, in Eulsbach sind es 15, in Glattbach 14, in Winkel zwölf und in Seidenbuch acht Kameraden. In der Jugendfeuerwehr werden 40 Nachwuchskräfte gefördert, hier verfügt Schlierbach mit elf jungen Brandschützern über die größte Gruppe, gefolgt von Kolmbach mit neun Personen.
Groß ist die Anzahl der Mädchen in Glattbach, sechs stellen die gesamte Jugendwehr und auch in Schlierbach sind sechs Mädchen dabei. Bambinifeuerwehren gibt es in Schlierbach (22 Kinder) und Winterkasten (21 Kinder).
In den Ehren- und Altersabteilungen werden zusammen 72 ehemalige aktive Feuerwehrkameraden gezählt. Musikabteilungen gibt es in Winterkasten mit 38 Musikern und in Kolmbach mit 18 Musikern.
Die aktiven Mitglieder der Wehr sind mit Engagement bei der Sache. Das zeigte auch die Teilnahmebilanz der Lehrgänge und die dadurch erfolgten Beförderungen und Ernennungen. Besonders wichtig ist die Bereitschaft, sich als Atemschutzgeräteträger ausbilden zu lassen. Gemeinsam verfügen die Lindenfelser Stadtteilwehren über 55 einsetzbare Atemschutzgeräteträger. Sie haben die vorgeschriebenen Gesundheitsprüfungen absolviert und die regelmäßige Übung auf der Teststrecke in Bürstadt durchlaufen. Besonders freute sich Reinhard Fink darüber, dass Eulsbach über drei ausgebildete Atemschutzträger verfügt. jhs
(Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 24.04.2012)